Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf die Medizinische Grundversorgung

In der medizinische Grundversorgung - insbesondere in den ländlichen Regionen Vorpommerns - ist auf Grund der Überalterung bei den niedergelassenen Hausärzten von einer Regelversorgung nicht mehr zu sprechen. Waren es 1998 noch 2300 Einwohner pro Hausarzt, so betrug 2007 die Anzahl der Einwohner pro Hausarzt bereits 2700. Die Tendenz ist steigend. Dererzeit sind bereits über 100 Hausarztstellen unbesetzt. Weitere 500 der jetzt noch 1100 Hausärzte werden bis 2015 in der Ruhestand gehen.

Solange sich keine relevante Anzahl an Allgemeinmedizinern in der Facharztausbildung befindet, wird die medizinische Grundversorgung, die im Wesentlichen durch Allgemeinmediziner gesichert wird, vollständig zusammenbrechen.

Verstärkt wird diese Entwicklung auf Grund des Demografiefaktors durch den hohen Anteil älterer Patienten, die einen erheblich höheren Betreuungsanteil benötigen, als bei einer durchmischten Altersstruktur. Und nicht zuletzt wirkt sich die extreme Dünnbesiedelung Vorpommerns mit einem wesentlich größeren Einzugbereich erschwerend auf die Organisationsstruktur eines Hausarztes auf dem Lande aus.

Diese Entwicklung findet so nicht nur in unserem Bundesland statt. Mit einer Zeitverzögerung von ca. 2 Jahren wird dies eine bundesweite Erscheinung sein. Deshalb ist es gut, sich nicht nur auf Landesebene, sondern auch auf Bundesebene intensiv zu widmen.

M-V leistet sich zwei Lehrstühle für Hygiene für einen Hygienearzt pro Landkreis. Wahrscheinlich bildet M-V die Hygieneärzte für ganz Deutschland aus. Für die benötigten 1.200 Hausärzte jedoch gibt es keinen Lehrstuhl. Betrifft es heute noch fast ausschließlich die niedergelassenen Allgemeinmediziner, so wird diese Phänomen in absehbarer Zeit auch bei den anderen niedergelassenen Fachärzten zu beobachten sein. Einzelne Fachärzte, wie Rheumatologen oder Endokrinologen nehmen bereits heute keine neuen Patienten mehr auf. Auch das ist in den meisten Bundesländern so.

Die immer älter werdende Bevölkerung braucht gut ausgebildete Fachärzte, wobei den Allgemeinmedizinern eine herausragende Bedeutung beigemessenwerden muss. Sind sie doch der Arzt, zu dem der Patient als ertem kommt. Er muss erkennen, was die Ursache der Erkrankung sein und welcher andere Facharzt zuständig sein könnte.

An der Greifswalder Universitätsklinik gibt es deshalb den gedanklichen Ansatz, die Facharztausbildung durch erfahrene Hausärzte unter dem Dach eines Allgemeinmedizinischen Institutes mentorenhaft zu begleiten. Ein so genanntes An-Institut für Allgemeinmedizin könnte den Verwaltungsapparat vorhalten, der die Organisation des Studienablaufes während der fünfjährigen Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin koordiniert

Die Uni Greifswald hat durch das Forschungsprojekt AGNES zudem gute Erfahrungen sammeln können, wie gut funktionierende, unterstützende, pflegerische Systeme den Hausarzt entlasten können.

Das studentische Interesse an einer Weiterbildung zum Allgemeinmediziner ist erfreulicherweise ausreichend hoch. Die Weiterbildung wird jedoch viel zu selten begonnen, da die Rahmenbedingungen nicht stimmen. So findet Facharztweiterbildung an Krankenhäusern und abschnittsweise auch beim niedergelassenen Allgemeinmediziner mit Weiterbildungsermächtigung statt. Die Vergütung während der Facharztausbildung im Krankenhaus beträgt jedoch 3.400 Euro brutto, während die Weiterbildung im ambulanten Bereich mit nur 2.080 Euro brutto für die Zeit der Weiterbildung beim Allgemeinmediziner vergütet wird. Dieses Missverhältnis steht der Bereitschaft der Studenten, eine Facharztweiterbildung zum Allgemeinmediziner zu wählen, der persönlichen Entscheidung im Wege.

Für die sinnvolle Ausbildung bei anderen niedergelassenen Fachkollegen, wie Orthopädie oder Neurologie, gibt es gar kein zugesichertes Gehalt. Hier muss es ebenfalls zu einer Gleichstellung mit allen anderen Facharztausbildungsassistenten kommen, wenn wir das System der niedergelassenen Ärzte beibehalten wollen. Medizinische Zentren heutigen Zuschnitts sind mit den Polokliniken der DDR nicht zu vergleichen und bieten deshalb keine Alternative zum niedergelassenen Arzt. 

Diese Entwicklung kann nicht allein durch den verstärkten Einsatz von Pflegekräften als Arztersatz begegnet werden! Es sind Ärzte als Ansprechpartner für die Patienten und als Teamleiter für solche Pflegekräfte (im ärztlichen Auftrag) notwendig. 

Die Landesregierung wird aufgefordert, gemeinsam mit der GKV MV zur Sicherung der ärztlichen Grundversorgung in der Fläche die Voraussetzungen für

 

 

  • die Einrichtung eigenständiger Lehrstühle für Allgemeinmedizin, Geriatrie und Palliativmedizin an der Universität Greifswald unter dem Dach der Community-Medicine, die über eine ihren Aufgaben entsprechende personelle und materielle Ausstattung verfügen, um Forschung und Lehre im Fach Allgemeinmedizin, aber auch der Geriatrie und Palliativmedizin bereits im Medizinstudium als äquivalente Schwerpunkte zu garantieren und durch eine strukturierte und praxisorientierte studentische Ausbildung auf eine Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin vorzubereiten,
  • die Einrichtung eines Institutes für Allgemeinmedizin an der Universitätsklinik Greifswald mit dem Ziel, die Absolvierung der fünfjährigen  Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin so zu gestalten, dass eine strukturierte und kontinuierliche Abfolge aller Weiterbildungsabschnitte ermöglicht wird und die Weiterbildung in den ambulanten Abschnitten auch finanziell der Facharztausbildung im Krankenhausbetrieb gleichgestellt wird, was für die ambulanten Weiterbildungsabschnitte bei anderen niedergelassenen Fachärzten wie Orthopäden oder Neurologen ebenso gelten muss,
  • die Rahmenbedingungen für die Niederlassung von Absolventen so zu gestalten, dass der so ausgebildete Nachwuchs an Hausärzten im Lande verbleibt.

 

 

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